Mein doch wohl eher „toter“ Daumen…

Der eine hat den grünen Daumen:
Alles gedeiht fast von allein.
Bei anderen – so wie bei mir –
Da geht sogar ein Kaktus ein.

Seit Jahren sehe ich dies Sterben
Und habe mich doch abgemüht.
Ich stürz’ die Pflanzen ins Verderben –
Meist haben sie nur kurz geblüht.

Mal gieße ich sie wohl zu viel,
Mal fall’n sie mir erst später ein.
Von vielen blieb mir nur der Stiel –
Ich kriege wirklich alles klein.

Es heißt, man soll mit Pflanzen sprechen,
Nur weiß ich meistens nicht worüber.
Das macht mir sehr viel Kopfzerbrechen –
Fällt mir was ein, sind sie hinüber.

Vielleicht sollte ich’s langsam begreifen:
Pflanzen und ich – das passt wohl nicht.
Ich will jedoch noch lang’ nicht kneifen –
So einfach mache ich’s uns nicht.

S. C. O.

Die Gedanken sind frei – ein zeitloses Lied

Es handelt sich hierbei um ein Volks- und Freiheitslied, das seinen Ursprung etwa am Ende des 18. Jahrhunderts fand und textlich in verschiedenen Versionen bis heute bekannt ist.

Mögen die Zeilen sich teilweise auch dem Zeitgeist entsprechend verändert haben, so überdauert noch immer die Botschaft über die Generationen hinaus:

Die Gedanken sind und bleiben frei!

Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei.
Die Gedanken sind frei!

Ich denke, was ich will
und was mich beglücket,
doch alles in der Still‘,
und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren
kann niemand verwehren,
es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei!

Und sperrt man mich ein
im finsteren Kerker,
das alles sind rein
vergebliche Werke;
denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei!

Drum will ich auf immer
den Sorgen entsagen,
und will mich auch nimmer
mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
Die Gedanken sind frei!

 

Verkehrte Welt

Linkshänder sind echt arm dran –
Schreiben nicht mit der „guten Hand“.
Dass man mit links schneiden kann,
Bringt Rechtshänder um den Verstand.

In der linken Hand das Messer,
In der rechten Hand das Brot:
„Mann, mit rechts geht das doch besser!“ –
Mütter seh’n da gerne rot.

„Schneid’ dich nicht, du pass’ bloß auf!“ –
„Mensch, da kann man gar nicht hinseh’n!“
Nach zwanzig Mal regt’s nicht mehr auf,
Da kann man da schon drübersteh’n.

Linkshänder sein ist gar nicht leicht:
Alles läuft verkehrt herum!
Was man mit Geschick ausgleicht –
Tja, Linkshänder sind nicht dumm!

Da, wo Dinge heikel sind,
Wo’s schwierig wird, da allerdings,
Habe ich wieder Rückenwind
Und sage: “Das mach’ ich mit links!“

S. C. O. 

„Wer hat Angst vor der Verkäuferin???“

Gestern hörte ich tatsächlich in einem Warenhaus im „Vorübergehen“, wie eine Mutter zu ihrer kleinen Tochter sagte:

„Wenn du nicht lieb bist, dann hole ich die Verkäuferin!“

Ich staune und schmunzele „kopfschüttelnd“ beim Schreiben immer noch darüber: Ja, sprachlich war die „Drohung“ wohl „politisch korrekt“ – obwohl sich dies schon inhaltlich widerspricht aber „pädagogisch“ natürlich auf keinen Fall „wertvoll“… ?

??????

S. C. O.

Neulich bei Petrus…

Weiße Wolken überall
Und ich lande, Knall auf Fall,
Vor ’ner Tür auf der „Himmel“ steht –
Welcher Wind hat mich hierher geweht?

Denk’ mir okay und klingel‘ mal.
In der Tür steh’n, ohne Zahl,
Engel und bitten mich rein –
Na, ich will mal nicht so sein.

Man bietet mir Getränke an.
Vor mir sitzt ein alter Mann
Und nimmt die Personalien auf –
Woher kennt der meinen Lebenslauf?

Ich antworte, so gut ich kann,
Schau’ mir den Mann genauer an –
Weiß wirklich nicht, wie ich das find’ –
So ein altes Schlüsselkind!

Er sagt nur: „Tja, Du wohnst jetzt hier!“
Ich platz’ inzwischen schon vor Neugier,
Frag’: „Was passiert hier eigentlich?“
Der alte Mann sagt väterlich:

„Du bist hier in der Chefetage.“
Das Harfenspiel bringt mich in Rage.
„Außerdem trägt man hier Hemd.“
Okay, Kleiderordnung ist mir nicht fremd.

Er sagt: „Du bekommst Wolke drei.
Flügel gibt’s in Raum 102.
Im dritten Stock gibt’s Harfenunterricht…“
Ich versteh’ das alles nicht.

„Zum Thema Wolke muss ich sagen,
Ich kann Höhe nicht gut vertragen.
Und Nachthemden steh’n mir wirklich nicht.
Gibt’s nicht vielleicht auch Gitarrenunterricht?“

Petrus sagt nur: „Das ist nicht geplant.“
Er sieht mich streng an und er mahnt:
„Denk’ nur nicht an Revolution!
Daran gewöhnst Du Dich hier schon!“

Man grüßt hier ganztägig „Hosianna“.
Auf der Speisekarte steht nur Manna.
Hab’ nun auch das „Nachthemd“ an.
Nur die Flügel müssen noch dran.

Die seh’n aus, ziemlich mitgenommen,
Wohl gerade in die Mauser gekommen.
Na, will mal nicht so kritisch sein –
Jetzt fehlt nur noch der Heiligenschein.

Bin wie geblendet von dem Schimmer
Und suche hektisch nach dem Dimmer.
Auf einmal hör’ ich nur noch Krach
Und schweißgebadet werd’ ich wach.

Tja, Schwein gehabt, war nur ein Traum.
Der Radiowecker füllt den Raum
Und brüllt Musik in meine Ohren –
Ich fühle mich wie neugeboren.

Die „Himmelsordnung“ darf noch warten.
Die Dinge, die sich offenbarten,
Sind gut für meinen Blutkreislauf:
Ich steh’ heut’ richtig gerne auf!

S. C. O.