




Privatfoto: © S. C. Orucoglu
Dreckig, etwas ramponiert und müde, aber mit leuchtenden Augen – so sehen „kleine Heldinnen“ aus, wenn sie nach einem langen Tag „ihr Bündel“ niederlegen.
Das Foto entstand in der Wohnküche meiner Großeltern,
weil mein Onkel sich des „Gesamteindrucks“ nicht entziehen konnte – und er hat mir mit dieser Momentaufnahme ein „Lebensgefühl konserviert“ und als Erinnerung geschenkt.
Ich schaue mich an und sehe immer noch mich: nun jedoch älter, größer – und natürlich vieles weitere andere gesteigert auch. Aber damals wie heute bin ich noch immer auf dem Sprung und halte meine Augen offen.
„Was kostet die Welt?“ – so lautete ein „geflügeltes Wort“ dieser Zeit. Und die Antwort auf diese Frage blieb „bedeutungsvoll“ im Raum stehen – und damit gänzlich für alle „Spekulationen“ offen.
Das ist auch heute noch etwas, dem ich mich nur schwer entziehen kann: all jene Dinge und Fragen, die Denkweite geben, die die Phantasie beflügeln, wandelbar sind – kurz: denen ich mich ständig neu und völlig anders stellen kann, mal ernst und mal mit einem Augenzwinkern.
Ich mag es wirklich, wenn ich die Frage nach der Bedeutung oder der Interpretation der einen oder anderen Sache oder Aussage mit den Worten: „Es ist, was immer du willst!“ – zur jeweiligen eigenen Beurteilung dem anderen anbieten kann. Auch das ist Freiheit, die man einander lässt – für sich selbst Antworten finden, die nur für jeden individuell „stimmig“ sein müssen oder vielleicht manchmal noch nicht mal das…
Ich kann also – wie immer – nur für mich sprechen – denn schließlich bestimmt jeder selbst den Wert der Dinge, die ihn umgeben.
„Meine“ Welt „kostet“ mich mal ein Lächeln und manchmal auch einen dunklen Moment; sie lädt mich zu ihrer Eroberung ein und manchmal darf sie auch mal gerne ohne mich stattfinden. Ihr Preis ist meine Sicht auf sie und meine immerwährende Neugier auf alles das, was sie wohl noch so sein kann.
Die Wohnküche meiner Großeltern steht lebenslang für den jeweiligen Ausgangs- und Endpunkt der „ersten Expeditionen zur Eroberung meiner Welt“ – mein „Abenteuerspielplatz“ der frühen Jahre. Und sie ist und bleibt die innere Heimat eines nun langsam doch schon etwas „in die Jahre gekommenen“ alten Kindes… ?
Heinrich Heines Gedicht „Nachtgedanken“, entstanden im Jahr 1843, beginnt mit den Worten: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht…“ – und heute, im Jahr 2018, sitze ich hier – und reibe mir erstaunt die Augen.
Ich sehe die heutigen Nachrichten und höre von Erleichterung, weil Horst Seehofer von seinem Rücktritt zurücktritt. Es schein in der Union und in der Koalition zunächst einmal ein kleines Aufatmen zu geben – und ich schüttele einfach nur noch den Kopf.
Wäre es jetzt nicht an der Zeit, dass einmal die Eitelkeiten, Befindlichkeiten und das Kalkül zurücktreten? Können „wir“ uns nicht einmal alle zusammenreißen und uns auf das konzentrieren, was unser Land und seine Menschen umtreibt, ihnen Angst macht, sie verunsichert und ihnen oftmals auch das Sicherheitsgefühl nimmt?
Ich persönlich möchte nicht ständig über „Lager“ hören und lesen, in denen Menschen eingepfercht werden – egal, was die Gründe hierfür sind und sein sollen. Es nimmt den Menschen die Würde: denen, die darin leben, und denen, die von draußen reinsehen. Man kann über die Flüchtlingssituation sicherlich sehr unterschiedlich denken und diskutieren, aber meine Erwartungshaltung ist, dass wir nicht vergessen, dass wir von und über Menschen sprechen – und dies gebietet zumindest einen Grundrespekt.
Ich verstehe viele, die in soziale Nöte geraten oder diese für sich befürchten – denn unsere Gesellschaft ist im Umgang miteinander distanzierter und kälter geworden. Die wirtschaftliche Unsicherheit, die „Umkehr der Alterspyramide“, die politische Situation – innen und außen – lassen viele Menschen gerade sehr pessimistisch oder auch sorgenvoll in die Zukunft sehen.
Ich wundere mich zunehmend, wie sehr wir aber zeitgleich zu verlernen scheinen, miteinander zu reden, aufeinander zuzugehen und uns mehr und mehr oftmals nur noch „minimalistisch“ in den „sozialen Medien“ austauschen, in denen verkürzte Texte immer zu mehr Problemen beizutragen scheinen, als zu deren Lösung. Wir beklagen die Oberflächlichkeit, den Werteverlust und vielfach auch das fehlende „Mit- und Füreinander“.
Ich sehe dabei mit wachsendem Unmut und Erstaunen, was die Politik und die Wirtschaft diesen Entwicklungen entgegensetzen – oder auch eben nicht.
Ich mache mir manchmal einen „Spaß“ daraus – wenn im Fernsehen Politiker sprechen, die ich zunächst keiner Partei zuordnen kann – die Augen zu schließen, ihnen zuzuhören und für mich zu raten, welcher Partei diese wohl angehören. Nach meinem Gefühl ist dies sehr schwierig geworden, denn es scheint sich eine gewisse „Beliebigkeit“ und „Anpassung an den Zeitgeist“ oder ein in manchen Situationen ganz offenbares „dem Wähler nach dem Mund reden“ eingeschlichen zu haben.
Ich vermisse die Politiker, deren Haltung ich nicht immer nachvollziehen konnte oder wollte, die aber unverwechselbar und klar in ihren Positionen und Ausrichtungen waren. Sie standen „für etwas“; sie zeigten „Flagge“; bezogen inhaltlich Stellung – vielleicht oftmals allen Befürchtungen vor dem Urteil und der Kritik anderer zum Trotze. Es gab sogar sehr viele, die wohl eher bewusst „polarisierten“, als unkritische „Lieblinge der Massen“ zu sein. Auch ein Stück „Zeitgeist“, das Schlagwort „Klasse statt Masse“ – irgendwann ist dies wohl nicht nur sprachlich leider mehr und mehr aus dem Alltag verschwunden.
Ich frage mich gerade in diesen Tagen, ob es einen Zusammenhang damit gibt, dass so viele Politiker aus den Anfängen unserer noch immer sehr jungen Demokratie nun – ihrem Lebensalter geschuldet – die politische Bühne verlassen haben. Eine Generation, die noch wusste, wie es ist, wie es sich anfühlt und was es für Leiden mit sich bringt, wenn Grundrechte fehlen, Freiheiten eingeschränkt sind und Angst, Willkür und im schlimmsten Falle auch Kriege und Flucht zum Alltag gehören.
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die…
… Politiker hat, die unsere „Staatsgemeinschaft“ anführen und die das Wohl und die Verantwortung für diese über ihre „individuellen Parteiziele“ stellen.
… eine Wirtschaft ihr Eigen nennt, für die ein freier und fairer Wettbewerb selbstverständlich ist und das dazugehörige Streben nach maximalem Gewinn nicht über die Interessen der Gemeinschaft gestellt wird.
… ihre Institutionen und sozialen Verbände bewusst stärkt, damit diese sich für Benachteiligte einsetzen und ihre Stimme für die erheben können, denen dies alleine nicht möglich ist.
… von ihren Kindern wieder das erlernt, was sie diesen von Generation zu Generation immerfort überliefert – und im eigenen Alltag der „Erwachsenen“ so oft selber wieder zu vergessen scheint, nämlich die goldene Regel: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“.
Leo Tolstoi wird der Ausspruch zugeschrieben: „Die Achtung hat die Welt erfunden, um den leeren Raum zu verschleiern, den die Liebe ausfüllen sollte.“
Vielleicht ist das doch schon ein guter Ausgangspunkt für uns alle: was wir auch immer sagen und machen mit einer konsequenten Ausrichtung auf die „Achtung“ eines bzw. des anderen zu begleiten.
Wie gesagt: einfach nur mein „kleiner Sommertagtraum“…
S. C. O.
Manchmal muss man eben einfach mal ins kalte Wasser springen,
wenn man den Dingen auf den Grund gehen will…

Wir kommen alleine im Leben an und müssen, auch wenn wir uns in noch so guter Gesellschaft befinden, dennoch immer auf uns alleine gestellt durchs Leben gehen.
Eigenverantwortlich leben heißt daher für mich nichts anderes, als nur für mich und mein eigenes Verhalten Antworten zu geben – und dabei zu akzeptieren, dass niemand außer mir, diese in Gänze verstehen oder nachvollziehen können muss. Ausdruck dieser Akzeptanz ist selbstverständlich gleichfalls, grundsätzlich die Vielfalt und Individualität anderer zu achten. Dies führt zu der eigentlichen Freiheit, der nachleben muss, wer sich selbst treu und „Mensch“ sein will:
Mit sich selbst in Einklang bleiben und jegliches Leben grundsätzlich als höchsten Wert zu respektieren – mögen Meinungen und Haltungen auch abweichen!
S. C. O.


Heute bin ich aufgewacht und es war wieder eine dieser Nächte, in denen ich
manchmal nach den „Spätnachrichten“ des Vortages einfach mal schlecht träume –
oder aber zumindest hoffe, dies nur geträumt zu haben… ?

Ich höre es in diesen Tagen immer wieder: wir haben ein „Werteproblem“. Politiker mahnen zur Übernahme von Verantwortung und zur Zivilcourage, während sich die Skandale, die völlig überraschend über uns alle hereinzubrechen scheinen, häufen.
Wir sollen „wachsam sein“ und kein „Fehlverhalten dulden“. Wir sollen Sorge dafür tragen, dass die Gesellschaft „keinen Schaden nimmt“ und füreinander einstehen, wenn ein anderer unserer Hilfe bedarf.
Mich würde interessieren, ob es in unserer politischen Führung ein Bewusstsein dafür gibt, was es für den „Einzelnen“ und sein Umfeld bedeuten kann, wenn er auf Missstände hinweist – was sich besonders verstärkt, wenn es sich um Fehlverhalten von Behörden und Institutionen oder aber Wirtschaftskonzernen handelt.
Ich habe diesbezüglich tatsächlich reichhaltige Erfahrungswerte sammeln dürfen – und kenne die „Mauern des Schweigens“, wenn nicht sein kann, was nicht sein darf und ein jeder nur das zugibt, was er nicht mehr „unter den Teppich kehren“ kann.
Vor sehr vielen Jahren hörte ich erstmals den augenzwinkernden Ausspruch, dass das „Tagesgebet“ eines Beamten sei: „Herr, lass mich nicht zuständig sein!“ Das war zu einer Zeit, als zunächst die Zuständigkeit für Vorgänge und Geschäftsvorfälle geprüft werden musste, um eine korrekte Bearbeitung starten zu können. Heute scheint es gerade bei der „Abwehr“ von kritischen Nachfragen oder Hinweisen auf Missstände eher den Umkehrschluss zu geben: „Meine Zuständigkeit muss man mir erst einmal nachweisen!“
Im Nachgang von Enthüllungen, die offenbar tatsächlich nur noch über die Medien stattfinden, stellen wir dann häufig fest, dass Informationen intern lange vorlagen, sie aber in dem Strudel von eigenen Befangenheiten, Angst vor dem Imageverlust oder falsch verstandener Loyalität, zunächst ignoriert wurden.
Bei den „Skandalen“ der letzten Monate – VW und das BAMF seien hier nur stellvertretend für viele vergleichbare genannt – geht es oft um Schäden, die Menschen und dem Sozialstaat zugefügt wurden.
Fast immer geht es jedoch um Hinweise auf die bestehenden Gefahren einer schleichenden und versteckten „Ent-WERT-ung“ unserer Gesellschaft und ihrer Regeln und Gesetze durch wenige – und dies oftmals aus wirtschaftlichen Gründen einzelner Nutznießer.
Ich wünsche mir einen Staat und eine Wirtschaft, die den mutigen Weg gehen, selbst auf die ihnen bekanntgewordenen Fehler – auch bei eigenen Verstrickungen – hinzuweisen und diese verantwortungsbewusst anzugehen und zu lösen. Hierbei sollten sie potenzielle Hinweisgeber ermutigen und fördern, statt sie für ihren Mut „reglementieren“ zu wollen. Nicht umsonst gibt es die Diskussion darüber, wie man die sogenannten „Whistleblower“ schützen sollte.
Ich finde es recht fragwürdig für uns als „Demokraten“, dass wir andere Länder und ihre Despoten – grundsätzlich durchaus berechtigt – für ihren Umgang mit Grundrechten und Werten oftmals so vehement kritisieren, es aber augenscheinlich nicht schaffen, mit der gleichen Klarheit auch innerhalb unseres Systems zu agieren.
Damit ich nicht missverstanden werde: Ich träume nicht von einem „gerechten“ Staat – das ist eine Utopie. Was ich jedoch erwarte ist die Gewährleistung von Rechtschaffenheit – dies braucht unsere Gesellschaft tatsächlich nötiger als einen vermeintlichen „Rechtsruck“ der demokratischen Parteien.
Ich wünsche mir mehr „Wahrhaftigkeit“ in diesen Zeiten. Ich möchte wieder feststellen, dass Behörden Fehler im Sinne von Irrtümern machen; dass Wirtschaftsbosse, Gewerkschaften und sonstige Institutionen und Gremien tatsächlich überrascht werden vom Fehlverhalten „Einzelner“ – und dieses konsequent und rückhaltlos aufgeklärt wissen wollen, weil die Integrität und das eigene Renommee als höchstes Kapital eingeschätzt werden.
Nicht die Fehler, die wir Menschen machen, sondern unsere Art, uns dazu zu bekennen und uns den Konsequenzen verantwortungsbewusst und situationsangemessen zu stellen, entscheidet darüber, wie wir und andere in der Folge miteinander umgehen und die Augenhöhe allen Disputen zum Trotz beibehalten können.
Wir reden so gerne vom Aufbau einer „Fehlerkultur“ und dem damit verbundenen Mut, Fehler zuzulassen und offenzulegen. Torpediert wird dieser Wunsch nach dieser sehr erstrebenswerten Ausrichtung jedoch oftmals von dem scheinbaren Widerspruch, dass Fehler zu haben – und diese dann womöglich auch noch einzugestehen – für viele einem „Gesichtsverlust“ gleichkommt.
Wenn das „Irren“ – wie uns der Volksmund dies nun schon über viele Generationen hinfort überliefert – nun mal „menschlich“ ist, dann wünsche ich mir eine Gesellschaft, die den Mut zum „Menscheln“ hat – und den Traum von „Perfektion“ aufgibt.
Vor die Wahl gestellt, was ich sein möchte und um mich herum bevorzuge: „Halbgott“ oder „Vollmensch“? – fällt mir persönlich die Antwort leicht.
S. C. O.